Bildungspolitische Grundlagen

In welchem bildungspolitischen Kontext handelt aufZAQ?

Lehrgänge, die auf die Arbeit in der außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit vorbereiten, ermöglichen Lernprozesse abseits von gesetzlich vorgegebenen Lehrplänen und Prüfungssituationen. In ihnen erwerben Menschen auf nicht-formalem Weg wertvolle Kompetenzen, (nicht nur) für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Ziel von aufZAQ ist es, diese Kompetenzen sichtbarer zu machen.

aufZAQ handelt dabei im Einklang mit aktuellen fachlichen Entwicklungen und europaweiten bildungspolitischen Strategien: Der  Europarat empfiehlt, kompetenzbasierte Rahmen für die Ausbildung und Schulung bezahlter und ehrenamtlicher Jugendarbeiter auszuarbeiten und der Rat der Europäischen Union empfiehlt im Einklang dazu die Aufwertung und Anerkennung nicht-formaler Bildungsangebote. Ihm zufolge sollen die EU-Mitgliedsstaaten „die Ermittlung und Validierung von nicht formalen Lernprozessen“ im Jugendbereich fördern und „den spezifischen Beitrag, den Jugendorganisationen und andere nichtstaatliche Organisationen bei der Vermittlung nicht formaler und informeller Lernerfahrungen leisten“, anerkennen und unterstützen.

Wie gestaltet sich die Anerkennung von (nicht-formalen) Qualifikationen in Österreich?

Zentral dafür ist der „Nationale Qualifikationsrahmen (NQR)“.  Das ist ein Vergleichsinstrument, in dem alle Qualifikationen Österreichs einem von acht Niveaus zugeordnet werden können. Basis für die Zuordnung zu einem bestimmten Niveau sind Lernergebnisse. Die Zuordnung zum NQR hat den Vorteil, dass Qualifikationen sowohl aus formalen als auch nicht-formalen Bildungsprozessen transparent und vergleichbar werden. Damit ermöglicht der NQR Transparenz in der österreichischen und in Folge der europäischen Bildungslandschaft. Lehrgänge, die dem aufZAQ-Kompetenzrahmen zugeordnet sind, können auf demselben Niveau für den NQR eingereicht werden. Hier finden Sie dem NQR zugeordnete Qualifikationen.

Der NQR entstand vor dem Hintergrund gestiegener internationaler vor allem europäischer Mobilität. Mit ihr verbindet sich der Anspruch,  unterschiedliche Qualifikationen in den einzelnen EU-Staaten verständlich und vergleichbar zu machen. Daher empfiehlt die Europäische Kommission allen EU-Mitgliedstaaten, sogenannte Nationale Qualifikationsrahmen zu entwickeln und zu implementieren. Das wurde in Österreich 2016 gesetzlich umgesetzt: In diesem Jahr wurde das Bundesgesetz über den Nationalen Qualifikationsrahmen (NQR-Gesetz) verabschiedet.  Das Gesetz regelt die Zuordnung österreichischer Qualifikationen. Genauere Informationen über die Entwicklung in Österreich finden Sie hier.

Wie können Kompetenzen sichtbar gemacht werden?

Ein wichtiges Stichwort ist hier Validierung nicht-formalen (z.B. im Lehrgang) und informellen (z.B. in der Arbeit, im ehrenamtlichen Engagement und in der Freizeit) Lernens. Sie hilft, erworbene Kompetenzen sichtbar zu machen und ihre Anerkennung zu erhöhen. Dabei steht nicht im Vordergrund, wie Kompetenzen erreicht wurden, sondern dass sie vorhanden sind und identifiziert werden können.

Um dies in allen Bildungsbereichen zu fördern und Verlässlichkeit für Validierungsverfahren zu steigern, wurde die Strategie zur Validierung nicht-formalen und informellen Lernens in Österreich erarbeitet. Sie ist das Ergebnis eines intensiven Diskussions- und Entwicklungsprozesses, bei dem alle wesentlichen Stakeholder im Feld der Validierung von Kompetenzen eingebunden waren. Auch aufZAQ war maßgeblich an der Entwicklung der Strategie beteiligt.

Es gibt zwei Formen von Validierungsverfahren: den formativen (entwicklungsorientierten) und den summativen (anforderungsorientierten) Ansatz.

  • Formative Validierung: In formativen Validierungsprozessen geht es darum, vorhandene Kompetenzen bei einzelnen Personen zu identifizieren und zu dokumentieren. Dafür kommen meist qualitative Methoden zum Einsatz, wie z.B. Dokumentation von Tätigkeiten, Selbstreflexion oder Interviews. Formative Validierungsprozesse führen nicht direkt zu Qualifikationen im Sinne des NQR, ermöglichen aber einen individuellen Kompetenznachweis, z.B. ein Portfolio, ein Kompetenzprofil oder einen Europass-CV.
  • Summative Validierung: In summativen Validierungsverfahren werden Kompetenzen überprüft, um darüber eine Bestätigung zu erhalten wie z. B. ein Zeugnis oder Zertifikat. Beim summativen Verfahren wird festgestellt, ob ein bestimmter Standard erreicht wurde. Methoden zur Feststellung und Überprüfung der Kompetenzen können Arbeitsaufgaben, Präsentationen oder schriftliche Arbeiten sein. Summative Verfahren werden von Qualifikationsanbieter*innen, also z.B. von Lehrgangsträger*innen, oder anderen bewertenden Stellen durchgeführt.

Lehrgänge, die dem Kompetenzrahmen zugeordnet sind, führen in jedem Falle eine summative Validierung nicht-formalen Lernens (in diesem Fall im Lehrgang) durch, weil sie ein Feststellungsverfahren beinhalten müssen. Dieses Feststellungsverfahren muss den aufZAQ-Kriterien entsprechen. Darüber hinaus können auch Elemente von formativen Validierungsverfahren in aufZAQ-zertifizierten Lehrgängen enthalten sein.