Die europäische Perspektive
Anfang Mai trafen sich Praktiker:innen, Forschende und Studierende aus ganz Europa, um über die Zukunft zu sprechen. Überraschend oft ging es jedoch darum, wie sich die ständige Unsicherheit im Arbeitsalltag anfühlt. Die Konferenz markierte das Ende eines Programmzyklus und stand wie eine unfertige Brücke zu neuen EU-Strategien da. Von Anfang an war klar: Diese Arbeit lebt von persönlicher Leidenschaft und Gemeinschaft, noch bevor Strategien und Institutionen greifen.
Ein Weggefährte für das Gehirn
Damit die wertvollen Erkenntnisse der letzten Jahre nicht in der Schublade verstauben, wurde ein neues Tool vorgestellt: der „Companion“. Dieses von Expert:innen entwickelte Set aus Notizbuch und Fragekarten liefert keine fertigen Antworten, sondern stellt die richtigen, unbequemen Fragen. Es soll Jugendarbeiter:innen dabei helfen, eingefahrene Denkmuster aufzubrechen und den Wandel in der täglichen Praxis nicht mehr alleine durchstehen zu müssen.
Drei Plenarsitzungen, ein roter Faden
Drei Keynotes bildeten das theoretische Rückgrat der Veranstaltung und steuerten aus verschiedenen Richtungen auf dasselbe Fazit zu: Unsere gesellschaftlichen Systeme sind mittlerweile zu komplex für exakte Vorhersagen. Um in diesem Umfeld handlungsfähig zu bleiben, braucht es ehrliche Beziehungen statt bloßer Höflichkeit. Vor allem wurde deutlich, dass Jugendarbeiter:innen diese Mammutaufgabe nur stemmen können, wenn sie aktiv auf ihre eigene mentale Gesundheit achten.
Wandel neu denken
Vordenker Peter Merry nannte die aktuelle Krisendichte „Hyperkomplexität“ und sprach von einem Chaos-Punkt, an dem alte Systeme versagen, ein neues funktionierendes aber noch fehlt. Herkömmliche Kontrollmechanismen funktionieren hier nicht mehr; stattdessen hilft nur dynamisches Steuern in kleinen Schritten. Wer diesen Wandel anführt, muss das Neue begleiten und das Alte würdevoll verabschieden. Selbstfürsorge ist dabei kein Luxus, sondern die absolute Grundvoraussetzung für die Arbeit.
Sechs „Deep Dives“ in die Zukunft
In intensiven Arbeitsgruppen wurden brennende Zukunftsthemen diskutiert. Bei KI wurde festgehalten, dass Tools zwar emotional entlasten, aber niemals echte Beziehungen ersetzen können. Die Demokratiegruppe forderte eine Rückkehr zu mehr politischem Engagement in der Jugendarbeit, während die Klimagruppe Hoffnung als Leitmotiv definierte. Am Ende stand fest: Jugendarbeiter:innen agieren derzeit als verletzliche Akteur*innen in einem ebenso fragilen System.
Werkzeuge und Zukunftsideen
Das „Tools Lab“ und eine Projektbörse boten über 60 praktische Methoden für eine zukunftsorientierte Jugendarbeit. Die Bandbreite reichte von VR-Brillen und Nachhaltigkeits-Checklisten bis hin zu Kartenspielen über Zukunftsforschung. Direkt vor der Tür lud zudem der „Ljuba & Drago“-Bus mit Brettspielen aus ganz Europa dazu ein, gesellschaftliche Teilhabe und Konfliktlösungen einmal spielerisch aus einer anderen Perspektive zu betrachten.
Die nächste Generation blickt zurück
Am letzten Morgen präsentierten Studierende verschiedener europäischer Universitäten ihre Analyse der Woche und betonten: „Unsicherheit ist die einzige Konstante.“ Sie forderten mehr Sichtbarkeit, nachhaltige Finanzierung und ehrliche Fürsorge für die Psyche der Beschäftigten. Ihr emotionales Schlusswort erntete Standing Ovations: Jugendarbeit ist ein Marathon, kein Sprint – passt gut auf euch auf. Es gilt, mit aktiver Hoffnung und Mut als Rollenbild voranzugehen.